5 Learnings aus dem Fuorisalone Milano.

5 Learnings aus dem Fuorisalone Milano für Live-Kommunikation und Markenwelten


Auf dem Weg nach Milano, zwischen schlechtem WLAN und halbfertigen To-dos, noch bevor wir ankommen, sind wir schon mittendrin. Instagram spuckt uns unendlich viele Must-Sees aus, wir denken, wir haben einen Plan. Vor Ort merken wir schnell: Die Milano Design Week lässt sich nicht planen. Wir laufen los, biegen ab, lassen uns treiben und sammeln Eindrücke am laufenden Band.
 

Wir stehen Schlange für Dinge, bei denen wir nicht genau wissen, was uns erwartet. Sehen nur einen Bruchteil und nehmen trotzdem so unglaublich viel mit. Plötzlich stehen wir in einer Kirche, komplett inszeniert, alles duftet. Oder wir sitzen irgendwo in einem Architekturpavillon, trinken Grüntee und beobachten einfach.
 

Und irgendwann brauchen wir eine Pause. Zu viele Eindrücke, zu viele Leute, zu viel gleichzeitig. Also setzen wir uns in eine Seitenstrasse, bestellen eine einfache Pasta und zehn Minuten später ist alles wieder gut.
 

Am Ende nehmen wir weniger konkrete Orte mit, sondern ein Gefühl. Für Ideen. Für Inspiration. Zwischen Installationen, Warteschlangen und multisensorischen Markenwelten haben wir am Fuorisalone Milano fünf Learnings entdeckt, die aus unserer Sicht auch für Events und Live-Kommunikation spannend sind.


1. Gute gastgeber:innen bleiben in erinnerung

Besonders geblieben ist uns Aesop «The Factory of Light». Nicht wegen grossem Spektakel, sondern weil man sich vom ersten Moment an willkommen fühlte. Bereits während des Anstehens wurden Mandarinensaft, Handcreme und goldene Nüsse verteilt. Kleine Gesten, völlig unaufdringlich, aber so präzise gesetzt, dass das Erlebnis bereits dort begann.
 

Drinnen blieb die Marke überraschend leise. Produkte wurden nur punktuell eingesetzt, etwa bei einer Handwasch-Zeremonie am Eingang. Spannend war dabei, wie konsequent alles zusammenhing: Der draussen verteilte Mandarinensaft wurde bei der Zeremonie über Mandarinendüfte wieder aufgenommen, die goldenen Nüsse verwiesen später subtil auf die Lancierung der goldenen Lampe. Nichts fühlte sich zufällig an.
 

Man fühlte sich weniger wie Besucher:in einer Produktpräsentation, sondern mehr wie Gast in einer sorgfältig kuratierten Welt. Genau darin lag die Stärke der Inszenierung: nicht Aufmerksamkeit zu erzwingen, sondern Nähe zur Marke zu schaffen.

Eine Person in beiger Arbeitskleidung trägt bei der Aesop-Installation am Fuorisalone der Milan Design Week in Milano eine grosse goldene Schale mit glänzenden, mandelförmigen Objekten. Die Szene wirkt wie Teil einer performativen Begrüssung.
Besucher:innen testen Produkte an einer langen Waschstation innerhalb der Aesop-Installation am Fuorisalone Milano. Das warme Licht, die spiegelnden Metalloberflächen und die ruhige Atmosphäre erzeugen ein sinnliches Erlebnis.
Warmes, rötliches Licht beleuchtet einen Mitarbeitenden der Aesop-Installation an der Milan Design Week in Milano. Er steht an einer langen Edelstahl-Waschstation mit fliessendem Wasser und bereitet Produkte für die Besucher:innen vor.
Die Aesop-Installation am Fuorisalone der Milan Design Week in Milano besteht aus halbtransparenten, bedruckten Stoffflächen, die historische Architektur nachzeichnen. Zwischen den textilen Strukturen bewegen sich Besucher:innen durch die ruhige, labyrinthartige Rauminstallation.

2. Starke Inszenierung müssen nicht erklärt werden

Viele Installationen in Milano funktionierten fast ohne klassische Informationen. Keine grossen Infostelen, keine langen Erklärtexte, keine offensichtlichen Botschaften. Stattdessen entstanden Räume, die man eher spürte als verstand.

Besonders spannend fanden wir die Installation von USM «Renais­sance of the Real». Man zog die Schuhe aus, lief über einen weichen Boden und tauchte in eine ruhige Bubble ein, in der bewusst nur wenige Menschen gleichzeitig zugelassen wurden. Mit doppelt so vielen Menschen hätte die Installation nicht funktioniert.
 

Der Raum funktionierte fast komplett über Atmosphäre: Duft, diffuse Lichtstimmung, Sound und Materialität. Keine Logos und keine Erklärungen. Genau dadurch fühlte sich das Erlebnis unglaublich hochwertig an. Und da liegt genau ein spannendes Learning für Events und Live-Kommunikation. Oft will man zu viel erklären. Die stärksten Markenwelten am Fuorisalone Milano machen genau das Gegenteil: Sie schufen klare, multisensorische Welten mit Fokus, Ruhe und einem Gefühl von Exklusivität.

Besucher:innen bewegen sich barfuss durch die immersive USM-Installation am Fuorisalone der Milan Design Week in Milano. Der weiche, textile Raum wirkt wie eine begehbare Wolke und schafft mit diffusem Licht und organischen Formen eine ruhige, fast schwerelose Atmosphäre.
Zwei Besucherinnen stehen in der textilen USM-Installation am Fuorisalone Milano. Die weissen, geschwungenen Stoffwände und das weiche Licht erzeugen eine stille, entschleunigte Raumwirkung innerhalb der Milan Design Week.

3. DARUM STEHEN MENSCHEN FREIWILLIG 90 MINUTEN AN

Die längsten Schlangen in Milano entstanden oft dort, wo Installationen bereits tausendfach auf Instagram geteilt wurden. Man wollte nicht nur etwas anschauen, sondern selbst Teil davon sein und ein eigenes Bild posten.

Besonders spannend war, wie bewusst mit Erwartung gespielt wurde. Kleine Gruppen, kontrollierter Einlass und inszeniertes Anstehen machten viele Installationen plötzlich exklusiv. Das Anstehen wurde Teil der Inszenierung.
 

Milano zeigte aber auch die andere Seite davon. Die Installation «Ooooh, that’s EpiQ!» von Škoda mit den riesigen aufblasbaren Formen funktionierte online extrem gut. Vor Ort fehlte uns aber das eigentliche Erlebnis. Genau dort wurde sichtbar, wie gross der Unterschied zwischen einer starken Kulisse und echter Experience sein kann.

Besucher:innen betreten die immersive Aesop-Installation am Fuorisalone Milano durch halbtransparente Stoffbahnen. Eine Person in beiger Arbeitskleidung hält ein grosses Metaltablett und begleitet die Gäste in die Installation.
Besucher:innen entspannen in der farbenfrohen Škoda-Installation am Fuorisalone der Milan Design Week in Milano.

4. Wie Lichtdesign und Storytelling emotionale Markenwelten schaffen

Licht gehört für uns zu den stärksten Werkzeugen in der Live-Kommunikation, wird aber oft noch zu dekorativ gedacht. Viele Events setzen auf grosse Screens und viel Content. In Milano sahen wir mehrfach das Gegenteil: Räume, die sich fast komplett auf Licht, Sound und Atmosphäre reduzierten und genau dadurch eine enorme Wirkung erzielten.
 

Bei «Drifting Lights» von Preciosa entstand in einem kleinen Raum eine unglaublich starke Atmosphäre. Durch Licht, Spiegelungen, Sound und die schwebenden Glaspanels fühlte sich der Raum plötzlich komplett losgelöst vom Trubel draussen an. Viele Menschen blieben einfach sitzen, schauten zu und liessen sich von der Stimmung tragen. Ohne grosse Screens. Ohne komplizierte Erklärungen.
 

Ähnlich war es auch bei «Chasing the Sun» von Veuve Clicquot. Dort wurde man über Licht, Farben, Sound und eine Stimme durch eine Geschichte geführt. Synchronisiert, emotional und erstaunlich wirkungsvoll.
 

Und genau darin sehen wir ein spannendes Learning für Events und Markenwelten: Manchmal entsteht die stärkste Wirkung nicht durch mehr Inhalt, sondern durch den Mut zur Reduktion. Wenn Licht gezielt eingesetzt wird, kann es Räume emotional führen, Geschichten erzählen und Menschen länger im Moment halten als jeder Screen.

Besucher:innen stehen unter der Lichtinstallation «Drifting Lights» von Preciosa am Fuorisalone der Milan Design Week in Milano. Transparente, leuchtende Elemente in Grün, Blau und Rosa schweben von der Decke und erzeugen eine immersive, fast futuristische Atmosphäre.
Aufbau eines Events im Tunnel der Marti-Baustelle beim neuen RBS-Bahnhof Bern – Licht- und Bühnentechnik werden installiert.

5. Warum Kollaborationen mit Künstler:innen live-kommunikation emotionaler machen können

Viele Marken verzichteten darauf das Corporate Branding einfach in einen Raum zu übertragen. Sie öffneten sich und arbeiteten mit Künstler:innen und Designer:innen zusammen und erschufen dadurch komplett neue Welten.

Besonders geblieben ist uns «Chasing the Sun» von Veuve Clicquot zusammen mit dem britisch-nigerianischen Künstler Yinka Ilori, der auch als «Architect of Joy» bekannt ist. Der Raum war komplett farbenfroh, optimistisch und verspielt gestaltet. Statt klassischer Markenbotschaften begann das Erlebnis mit einer persönlichen Geschichte über Sonne, Freude und Gemeinschaft. Erst danach tauchte man langsam in die Markenwelt ein.

Spannend fanden wir dabei vor allem, wie stark die visuelle Sprache des Künstlers die Wahrnehmung der Marke verändert hat. Veuve Clicquot wirkte plötzlich kultureller, emotionaler und überraschender. Für den Fuorisalone wurden sogar eigene Produkte gestaltet. Die Installation fühlte sich dadurch nicht wie eine Kampagne an, sondern wie eine temporäre Welt, die nur für diesen Moment existierte.

 

Die Installation «Chasing the Sun» am Fuorisalone der Milan Design Week in Milano zeigt einen monochromen Raum in warmem Gelb und Orange. Unter einer grossen leuchtenden Kugel stehen geschwungene Sitzbänke und hohe Lichtobjekte, die an stilisierte Sonnen erinnern.
Farbenfrohe Objekte von Veuve Clicquot stehen in der Installation «Chasing the Sun» am Fuorisalone Milano auf einer rosa Sitzbank. Gelbe und pinke Muster, verspielte Wegweiser und Champagner-Accessoires erzeugen eine sommerliche, popartige Atmosphäre.


Ein Portät von Assja Stämpfli, Konzepterin bei evenjo

Autorin

Assja Stämpfli
Konzepterin
 

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Team der Live Kommunikations Agentur evenjo im Gif. live kommunikation, Corporate-Event, Eventagentur bern, eventplanung, firmenevents, teamevents bern, jubiläumsfeier, networking anlass, mitarbeiteranlass, mitarbeiter:innen-anlass evenjo-Team
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